Das lebendige Schneemannkind
 
 
Von Clara Parusel

Als ich heute Nacht aufwachte, ging ich zum Fenster und sah hinaus. Ich konnte kaum glauben was ich sah. Ich rieb mir nochmals die Augen und guckte wieder hinaus. Es stimmte, was ich gesehen hatte. Ich hatte einen Schneemann so groß wie ein Kind gesehen. Das Schneemannkind hatte einen bunten Schal, bunte Handschuhe, schwarze Schuhe und eine bunte Mütze an. Es winkte mir fröhlich zu. Ich winkte zurück. Dann ging ich ganz leise zur Tür und zog mich ganz schnell an. Dann rannte ich ganz leise raus und guckte mich um. Ich sah den Schneemann nicht. Ich wollte wieder reingehen, ging auch schon los. Auf einmal hörte ich ein ganz lautes „Buh!“. Ich erschrak, doch dann hörte ich ein leises Kichern. Ich drehte mich um. Da sah ich das Schneemannkind, es gab mir ein Zeichen, dass ich kommen sollte. Ich kam auch. Dann fragte ich das Schneemannkind wie es hieße, ob es auch ein Mädchen oder ob ein Junge und wie alt es sei. Das Schneemannkind antwortete: „Ich heiße Schnie-Schnee, bin ein Mädchen und bin drei Jahre alt.“ „Aha!“, sagte ich. Dann fragte Schnie-Schnee mich, wie ich hieße, ob ich auch ein Mädchen oder ob ich ein Junge und wie alt ich wäre. Ich antwortete: „Ich heiße Melina und bin auch ein Mädchen und ich bin 5 Jahre alt. Dann fragte ich: „Willst du mit mir spielen?“ „Na klar!“, sagte Schnie-Schnee. „Weshalb hätte ich dich sonst geweckt? Und übrigens, ich werde dich jetzt Meli nennen, ja?“ „Ja“, sagte ich. „Und ich werde dich ab jetzt Schnie nennen, ja?“ „Ja“, sagte Schnie-Schnee. Dann rannten wir los, den Berg, neben meinem Haus hinauf. Dann sagte Schnie-Schnee: „Kommst du mal mit dahin?“ Sie zeigte auf einen ganz, ganz, ganz dicken Baum. Dann ging sie zu dem Baum hin und klopfte dreimal ganz laut. Dann drehte sie sich um und sagte: „Ich muss dreimal klopfen, weil ich aus drei Kugeln bestehe.“ Dann kam ein großer Riss in den Baum und es guckte noch ein Schneemannkind raus. Es hatte seinen Schal um den ganzen Körper gewickelt und hustete. „Schnie, wer ist das?“ „Das ist mein Bruder.“ Dann ging Schnie-Schnee rein in den Baum. Ich ging auch in den Baum rein. Drinnen war es ganz schön gemütlich und ganz warm. Schnie-Schnee fragte ihren Bruder: „Weißt du wo der Schlitten ist?“ „Ja, unten im Keller.“ Er zeigte auf eine Treppe neben der Tür. Er ging die Treppe nach unten und kam mit einem Schlitten wieder die Treppe hinauf. Er gab den Schlitten Schnie-Schnee. Schnie-Schnee sagte: „Danke!“ Ich sagte auch: „Danke!“. Wir zogen den Schlitten hinter uns her noch weiter den Berg hinauf. Oben angekommen, sagte Schnie-Schnee: „Komm, setz du dich vorne hin.“ Ich sagte: „Schnie, komm doch mit rauf, dann können wir zusammen den Berg runterfahren.“ „Ja, ich komme gleich auf den Schlitten. Ich gebe uns beiden nur noch Anschwung.“ Dann gab Schnie-Schnee dem Schlitten einen Stups und schwang sich hinter mich auf den Schlitten. Jetzt ging es ganz schnell den Berg hinunter. Dann bremste Schnie-Schnee den Schlitten und wir schoben ihn wieder den Berg hoch. Beim Hochschieben sagte ich: „Der Schlitten ist ja ganz schön leicht. Wenn ich meinen eigenen Schlitten hochschiebe, ist er viel schwerer. Oben angekommen, rutschten wir noch mal und noch mal. Irgendwie konnten wir nicht mehr, uns war kalt geworden. Deshalb gingen wir wieder in unser Haus, ich in meine Haus und Schnie-Schnee in ihren Baum. Ich ging rein, zog wieder meinen Schlafanzug an. Dann legte ich mich in mein Bett und schlief sofort ein.
Nach sechs bis sieben Stunden klingelte mein Wecker. Ich wachte auch gleich auf. Obwohl ich in der Nacht so lange auf war, war ich jetzt ganz munter und ausgeschlafen. Dies fand ich zwar ganz komisch, aber es war mir egal. Ich ging fröhlich in die Schule. Als die Schule zu Ende war, holte Papa mich ab. Im Auto fragte ich ihn: „Was gibt es heute zum Mittagessen?“ „Es gibt dein Lieblingsessen!“ „Juphi!“ Ich wusste genau was mein Lieblingsessen war, es war Pfannkuchen! Ich aß gleich vier Pfannkuchen mit Puderzucker und zum Trinken gab es ausnahmsweise Orangen-Limonade. Satt und zufrieden legte ich mich in mein Bett und machte Mittagspause. Schon um drei wache ich auf, weil mein Vater zu meiner Mutter sagte, dass sie heute einen Weihnachtsbaum holen wollten. Als ich das hörte, sprang ich sofort aus meinem Bett und rannte aus meinen Zimmer in die Diele. Dort standen Mama und Papa. Sie fragten mich: „Warum bist du den schon wach?“ „Weil ich euch sprechen gehört habe, dass ihr uns einen Weihnachtsbaum holen wollt. Stimmt es?“ „Ja.“ „Juphi!“, sagte ich. Dann zog ich mich ganz schnell an und rannte raus in den Garten. Dort stand ein Schneemann so groß wie Schnie-Schnee und hatte auch dieselben Sachen wie Schnie-Schnee an. Vielleicht ist es ja Schnie, dachte ich. Es war auch Schnie-Schnee, aber ich wusste es ja noch nicht. Ich dachte daran, was ich heute Nacht erlebt hatte, aber genau jetzt kamen meine Eltern. Ich rannte schon zum Auto und setzte mich hinein. Mama und Papa setzten sich auch hinein. Papa startete den Motor und fuhr los. Als wir ankamen, sprangen wir alle gleich aus dem Auto und ich rannte auch sofort los in den Wald. Papa und Mama trugen die Säge auch in den Wald. Dann stellten sie sie ab und gingen zu dem Baum auf den ich zeigte. Dieses Mal durfte ich die Tanne aussuchen. Jetzt ging Papa wieder dahin, wo sie die Kettensäge abgestellt hatten und rief: „Inga komm!“ Mama fragte mich: „Was hat er eben gerufen?“ Ich sagte: „Er hat Inga komm gerufen.“ Mama rannte zu Papa und half ihm die schwere Kettensäge hochzuheben und zu mir und dem schönen Tannenbaum zu tragen. Dann wurde der schöne Tannenbaum gefällt. Mama, Papa und ich hoben den Tannenbaum hoch und schleppten ihn zum Auto. Papa und Mama hoben den Tannenbaum auf das Auto und legten ihm Gurte um. Dann fuhren wir wieder nach Hause. Wir luden den Tannenbaum ab und trugen ihn ins Haus. Dann stellten wir ihn auf und schmückten ihn. Wir packten Geschenke aus und aßen Raclette. Dann legte ich mich erschöpft ins Bett und schlief auch gleich ein. Ich wachte in der Nacht aber wieder auf. Es war das gleiche Geräusch wie gestern Nacht. Ich stand wieder auf, zog mich an und rannte raus. Ich ging den Berg hinauf und klopfte gegen den dicken Baum, ein großer Riss kam in den Baum und Schnie-Schnee guckte raus. Ich sagte: „Hallo Schnie! Wollen wir wieder spielen?“ „Ja! Und übrigens: Du hast doch bestimmt den Schneemann vor deinem Haus gesehen, oder?“ „Ja, hab ich.“ „Weißt du wer das war?“ „Nein“, sagte ich. „Wer war das denn?“ „Das war ich!“ „Hab ich mir auch schon gedacht, aber ich war nicht sicher.“ „Und warum hast du das gedacht?“ „Weil du eine bunte Mütze anhast und der Schneemann auch. Du hast einen bunten Schal, bunte Handschuhe und schwarze Schuhe und der Schneemann vor unserem Haus auch.“ „Ich fahr in der nächsten Nacht weg, weil das Eis schmilzt, leider. Aber dafür komme ich im nächsten Jahr wieder.“ „Oh, schade!“, sagte ich. Also müssen wir dieses letzte Mal schön machen.“ „Ja, wollen wir auf den Tannenbaum klettern?“ „Ja! Wir errichten ein neues Baumhaus. Hier kannst du in den nächsten Tagen spielen, wen ich nicht mehr da bin.“ Ein lauter Schrei zerriss die Stille. Schnie-Schnees Bruder rief: „Schnie-Schnee, wir müssen packen!“ „Ich sagte: „Tschüß!“ Schnie-Schnee sagte auch: „Tschüß! Es war eine schöne Zeit mir dir, Melina!“